Vorbemerkungen

 

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem ungewöhnlichen Gegenstand. Zumindest dafür, daß sie von einem Industriedesigner verfaßt wurde. – Künstliche Intelligenz. Dies bedarf einer Erläuterung:

Als ich diese Arbeit, die durch Kevin Kelly‘s ´Das Ende Der Kontrolle´ (BOLLMANN 1996) inspiriert wurde, konzipierte, wollte ich die Robotik oder das ´Embodiement´ in den Mittelpunkt rücken. Dies war dem geschuldet, daß ´Industrielle Formgestaltung´ ihren Schwerpunkt in der realen Welt hat und ich somit eine körperhafte Künstliche Intelligenz dafür am relevantesten hielt.

Ein anderer Aspekt war die Ansicht, daß Kreativität und Intelligenz sich bedingende Phänomene sind, so daß eine kreative Künstliche Intelligenz eine Konkurrenz zum Design darstellen müßte.

Im Verlaufe der Entstehung dieser Arbeit bin ich häufig auf neue Aspekte gestoßen, insbesondere weil das Internet, das neben buchbasierter Fachliteratur meine Hauptquelle war, dermaßen viel Informationen birgt, daß es schwer wurde, diese vorab endgültig zu organisieren. Somit hat diese Arbeit einen viel umfassenderen Charakter erhalten, der zwar weniger detailliert, dafür aber umso weitreichender auf die Problematik eingeht.

Ich glaube, daß der Prozeß, daß Kultur eine Verkünstlichung der Natur ist, umgekehrt wird, weil wir auf einem Weg in eine Postbiologische Evolution sind, die ich lieber retro-biologisch nennen möchte. Die Kultur, das Gemachte, das im Gegensatz zum Geborenen steht, wird wieder Natur werden. Automaten werden geboren.

Das Design wird neue Wege gehen müssen, so wie alle Disziplinen unter der Veränderung ihrer Domänen und Paradigmen leiden und gewinnen werden. Das nächste Jahrhundert wird das promethische Zeitalter werden, aber auch ein Zeitalter großer Ängste und ethischer Auseinandersetzungen.

Die Frage nach der Moral, die der Schaffung einer Intelligenz, die uns vielleicht ablösen könnte, unterliegt, kann ich mir kaum zu stellen anmaßen. Ich kann nur Bericht erstatten von meinen Kenntnissen einer fremden Disziplin. Manchmal wird mein Unterton zynisch sein, manchmal euphorisch, weil die Entwicklungen, die Gegenstand dieser Arbeit sind, mich sowohl faszinieren als auch anwidern.

Leider kann ich nicht so sehr ins Detail gehen, wie ich mir dies wünschte, schließlich wird nur ´reflektiert´. Ich verlöre mich sonst in Nichtigkeiten. Dadurch bleibt dem Leser die ausschweifende Erklärung solch wundervoller Worte wie der ´Hilbertraum´ erspart.

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dem Designer – und Künstler – spannende Anregungen an die Hand zu geben, die neue Perspektiven bei der Definition seines zukünftigen Berufsbildes schaffen sollen. Diese Arbeit hat den Charakter eines informativen Kompendiums zu einem Thema, dem meine Meinung und meine Visionen beigemischt sind. – Der Buchmarkt gibt Vergleichbares nicht her, und so ist dies ein Anfang.

Urs Heckmann