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Das Künstliche, Meme und Computer
Die Entstehung des Lebens und der Arten hat vor über drei Milliarden Jahren begonnen. Dies waren zunächst einzellige Wesen. Erst eine Milliarde Jahre später formierten sich mehrzellige Pflanzen, die zur Photosynthese fähig waren. Erste Fische und Wirbeltiere traten vor 550 Millionen Jahren auf den Plan, Insekten 100 Millionen Jahre später. Danach zieht die evolutionäre Geschwindigkeit exponentiell an, bis aus den ersten Primaten von vor 250 Millionen Jahren der Mensch in etwa vor 2,5 Millionen Jahren hervorgeht. Vor circa 30000 Jahren fing der Mensch an, Begriffe zu bilden und ein abstraktes Denken zu entwickeln. Artefakte und Höhlenmalereien belegen dies. Seine Fähigkeit, zu planen, führte zur Tierzucht und Agrikultur, vor circa 20000 Jahren. Der Mensch begann, die Natur an seine Bedürfnisse anzupassen, sie zu kultivieren. Die Medien Bild und Sprache wurden erst vor 5000 Jahren um die Schrift erweitert. Im 17. Jahrhundert wurde Schrift durch den Buchdruck zum Allgemeingut, und in wenigen Jahrhunderten explodierte förmlich das Wissen. Neben der biologischen Evolution entstand mit dem Eingriff des Menschen eine parallele Entwicklung, die Kulturelle Evolution. Im neodarwinistischen Jargon, nach Dawkins, heißt ihre Erbgut ´Mem´. Meme sind die Bestandteile des kollektiven Wissens der Menschheit, die sowohl verbreitet als auch konserviert werden. Die Kultur ist die Domäne des Künstlichen. Alles, was der Mensch schafft, ist der Natur entrissen und von ihm zu Kultur gemacht. Flusser nennt diesen Prozeß ´informieren´, dem wertlosen (Natur) einen Wert (Kultur) geben. Jedes Getreidefeld, jedes Haus- und Nutztier ist heute ein Produkt der Kultur, es ist künstlich und nicht mehr im eigentlichen Sinne Natur. Es ist domestiziert und durch Züchtung genmanipuliert. Manche behaupten, daß wir dadurch die biologische Evolution gestoppt haben. Vielleicht suchen wir deshalb nach einer Methode, die Evolution fortzusetzen, indem wir künstliches Leben in Computern generieren. Ich vertrete die These, daß Computer die Aufgabe übernommen haben, den Memen den Zeitfaktor zu nehmen, denn sie sind mit Verlaß nur augenblicklich existent, weil sie in Echtzeit modifiziert werden können. Ich glaube, daß die Aufhebung der Beständigkeit von Memen zu einer höheren Ebene von Memen führt, vergleichbar den kuhnschen Paradigmen. Es geht nicht mehr darum, das Wissen zu vererben, sondern das Wissen (fluid) über das Wissen (kristallin). Künstliche Intelligenz wird ein effektives Werkzeug sein, um mit Wissen umzugehen. Die Elite, so Flusser, sind die, die die Codes beherrschen. Die Designer (und Künstler) als diejenigen, die nicht-determinierbares Wissen verkörpern, könnten die sein, die die Codes der künstlichen Intelligenz beherrschen. Wie das aussehen könnte, wird in fünf Teilen, die sich in der Radikalität der aufgeworfenen Fragen steigern, erörtert. |