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z.B. SONY Phondue Urs Heckmann
Das Projekt "Phondue" ist eine Zusammenarbeit mit Heiner Büld (Berlin) für das SONY Entertainment-Center MUSIC BOX am Potsdamer Platz. Es handelt sich um eine von Spectra Entertainment gestaltete Terminalkonsole mit der von Herrn Büld und mir entwickelten Software und Faderbox. Der Besucher kann mit Phondue Musik komponieren, ohne musikalische Vorkenntnisse zu besitzen. Dazu sind die Fader unterschiedlichen semantischen Charakteristika wie "Style", "Density" oder "Sound" zugeordnet. Während der Besucher an den Fadern schiebt, verändert sich die Musik nach einfachen Kontrastpaaren (z.B. ambient - funky, electric - natural), so daß ständig neue Variationen hörbar werden. Gleichzeitig visualisieren animierte Infografiken und synchronisierte Videoclips das musikalische Geschehen. Die Software komponiert einzelne Stücke nach den Besuchereingaben in Echtzeit, indem sie über das "Wissen" vorprogrammierter Musikbeispiele und dynamischer Kompositionsregeln verfügt, die in MIDI-Daten übersetzt werden. Als Tonerzeuger kommt ein Yamaha SU128 zum Einsatz, der eingebaute Computer ist ein Apple PowerMac G4 und in der Faderbox werkelt ein Atmel AVR Flash-Microcontroller, der durch Penny&Giles Ribboncontrols gesteuert wird und per MIDI-Interface mit dem Rechner verbunden ist. Die Software kommuniziert via OMS mit der externen Hardware und benutzt das Sprite World II SDK zur Darstellung der animierten Graphik. nach oben
Das Terminal ist eine spacige Konstruktion, in der gerade so Platz für einen Apple PowerMac G4, einen Tonerzeuger und ein paar Kleinigkeiten wie MIDI-Interface und Kopfhörerverstärker ist. Die Faderbox featured hauptsächlich die Penny & Giles Endless Belt Fader. Dies sind 20er LED-Ketten, über denen ein geriffeltes, transparentes Plastikband läuft. Durch eine ausgeklügelte Elektronik kann der Benutzer dadurch praktisch Werte einstellen, indem er mit seinem Finger über die LED-Ketten fährt. Ein toller Effekt, der leider nur in wenigen Produkten (z.B. P&G MM-16 MIDI Faderbox) Einzug in die Welt des Studioequipments gefunden hat. Wahrscheinlich sind sie einfach zu teuer. Immerhin haben diese Fader den Vorteil, daß sie (wie Endlospotis bei aktuellen Synthies) keine absoluten Daten senden, sondern jeweils nur Inkrement und Dekrement. Die LED-Anzeige wird nicht durch die ansteuernde Einheit realisiert, sondern über ein Feedback von der Software. Dadurch können die Fader auf äußere Parameterveränderungen reagieren und sind demnach genauso einsetzbar wie Motorfader in exklusiven Digitalpulten. nach oben
Die Benutzeroberfläche ist eine ziemlich abgefahrene Angelegenheit. Da sie im normalen Betrieb ausschließlich über die Fader bedient wird und nicht etwa über die Maus, konnte auf übliche Elemente (Buttons etc.) verzichtet werden. Dafür ist sie hochgradig animiert und lebendig.
Den Fadern sind 5 Parameter zugeordnet, die semantische Aspekte der Musik repräsentieren: Style, Density, Variation, Sound, Speed. Diese werden auf der Benutzeroberfläche durch Anzeigeelemente repräsentiert. Wenn ein Fader betätigt wird, fangen die Drähte" vom Parameter (unten) zum Anzeigeelement heftig an zu glühen. Gleichzeitig ändert sich der Status der Anzeige - und die Musik! Oben links befindet sich die Style-Anzeige mit den Stilpresets acified", funky", latin", swingin", spatial", juicy", techno" und carribean". Der aktuell gewählte Style wird durch eine rote, im Takt blinkende LED angezeigt. Verändert man den Style mit dem ersten Fader, dreht sich der Pfeil in der Anzeige zur neuen Position, die durch eine grüne LED markiert wird. Am Ende einer Vier-Takte-Periode wird dann unter wüstem Flackern aller beteiligten LEDs von einem Style in einen anderen geblendet, jeweils über die Dauer von 2 Takten. Unten links sieht man die drei Kreise der Density-Anzeige. Hier verändern sich ein paar animierte Muster. Musikalisch bedeutet der Fader im wesentlichen, daß die Wahrscheinlichkeit von zu spielenden Noten zu- oder abnimmt. Je höher der Density-Wert, desto dichter und komplexer wird das musikalische Geschehen. In der Mitte befindet sich die Variation-Anzeige. Bis zu sechs LEDs zeigen - neben den Fadern - den aktuellen Wert an. Manche LEDs (unten am Display) werden mechanisch" eingefahren, wenn sie nicht gebraucht werden. Der zentrale Bestandteil der Anzeige sind aber die acht Videofenster, in denen zeitversetzt (um eine Achtelnote) kleine, geloopte Filmchen ablaufen. Je nach Faderposition werden dabei verschiedene Filme übergeblendet. Die Filme für die niedrigen Faderwerte sind sehr harmonisch, während Filme für höhere Werte eher noise" aufweisen. Musikalisch wird hier die Komplexität der Komposition geregelt, also eher, wie frei die Instrumente in ihrem Zusammenspiel sind, wie komplex das rhythmische Arrangement ist etc. Der Zeitversatz der Filme wirkt wie die LEDs eines Stepsequencers, die die aktuelle Taktposition angeben. Unten rechts ist die Soundanzeige. Sie hat einen gelben Pfeil, der zwischen Natural" und Electric" variiert. Gleichzeitig gibt es zwei große Anzeigefelder, in denen je nach Faderstellung Holz- und Metallstrukturen vermorpht werden. Musikalisch werden hier unterschiedliche Instrumentierungen, Drumsets, Cutoff-Werte etc. verändert. In Echtzeit, versteht sich. Ganz unten rechts befindet sich eine gelbe Tachoanzeige" für den Geschwindigkeitsregler. Wegen der gewissen Trivialität der Tempokontrolle erschien diese einfache Anzeige ausreichend. Nebenbei wird hier musikalisch noch am Swingfaktor, am Delayeffekt und ein wenig am Mix gedreht. Die vier Röhren oben rechts haben keine Korrelation zu einem Fader. Sie zeigen die Aktivität der vier Instrumentengruppen Solo1", Bass", Solo2" und Harmonics" an. Dabei schwingen die gelben Bälle je nach Tonhöhe und Lautstärke. nach obenZur Benutzung muß ein Besucher den roten Startknopf drücken. Dann werden verschiedene Parameter per Zufall oder permutierend gesetzt. Diese bestimmen grundlegende Harmonieverläufe, Generatoren für Melodien etc. Für ca. 2 Minuten hat der User dann die Möglichkeit die resultierende Komposition über die Fader zu einem komplexen Stück zu verbiegen. In Phondue sind aufgrund der geringen Faderzahl jede Menge Parameter miteinander verknüpft. Der Style-Regler beeinflußt gleichzeitig die Auswahl der Baßlaufpresets, die wiederum durch Density und Variation modifiziert werden. Wenn zu Beginn einer Vier-Takte-Periode bestimmte Fader hochgefahren" sind, springt die Software in den Refrainmodus, bei dem die Dynamik ansteigt und alles ein wenig nach oben transponiert wird. Entsprechend gibt es bei tiefen Faderpositionen einen Bridgemodus, der ein wenig zurückhaltender ist bei gleichzeitiger Transposition nach unten. Das vorgefertigte" Musikmaterial kann über Editoren verändert werden. Diese sind aber den Entwicklern (Heiner Büld, Urs Heckmann) vorbehalten. Dabei handelt es sich um 24 Akkordfolgen", 32 Baßläufe", die acht Styles in jeweils 2 Variationen, Soundmappings für die Drumsets (Der XG-Tonerzeuger kann nur zwei Drumsets gleichzeitig spielen, so daß für Veränderung im Soundparameter einfach unterschiedliche Drumspuren auf unterschiedliche Notenumbers gemappt werden), 16 Soundmappings für Harmonics und Sololinien sowie 8 Arrangements von je 16 Melodiegeneratoren für die beiden Solokanäle. Die Baßsounds sind aufgrund der wenigen, guten" im Tonerzeuger verfügbaren Presets beispielsweise fest zugeordnet. Es gibt noch eine Reihe weiterer Verknüpfungen, die aber den Rahmen dieser Seite sprengen würden. Weiter in die Tiefe der Algorithmen möchte ich an dieser Stelle - verständlicherweise - nicht gehen. |